17|11|2008
Pro Skater Jürgen Horrwarth im Interview
Wenn es Jürgen Horrwarth genau nehmen würde, könnte er in diesem Jahr sein ganz persönliches Jubiläum feiern: 20 Jahre steht der Berliner nun schon auf dem Skateboard - daran konnten auch motzende Nachbarn, ein Kahnbeinbruch und diverse Bänderrisse nichts ändern.
Zu Horrwarths jüngsten Erfolgen zählt der Europameister-Titel in der Miniramp 2008, er wurde 2007 Europameister im Bowl und erreichte auch beim adidas Skateboard Clash 2007 das oberste Siegertreppchen.
Welche Chancen sich der 31-jährige für die Street Session der T-Mobile Extreme Playgrounds am 29./30.11. in der Halfpipe ausrechnet und warum nicht nur die Liebe zum Skateboarden, sondern auch eine Menge Training und die ein oder andere unfreiwillige Pause zum Pro-Dasein dazugehören, erzählt uns Horrwarth im Interview.
Wie und wann bist du zum Skaten gekommen?
Das muss so im Jahre 1988 gewesen sein, als ich eine Gruppe Skater bei mir durch die Stadt heizen sah und die sprangen mit ihren Boards vom Boden ab. Das hat mich so beeindruckt, dass ich das auch können wollte.
Es sah einfach nach so viel Spaß und Freiheit aus.
Warst du ein Naturtalent?
Na ja, was heißt das schon? Ich denke mal, eine gewisse Portion Talent gehört schon dazu, etwas wie Skateboarden gut zu machen, aber da der Spaß und eine gewisse Selbstfindung im Vordergrund stehen, ist Talent in dem Sinne zweitrangig.
Außerdem ist viel im Skateboarding einfach bedingungslose Hingabe und wiederholtes Üben.
Wo hast du immer geübt?
Am Anfang rollte ich bei meinen Eltern vor dem Haus und das gefiel den Nachbarn nicht besonders wegen dem Lärm. Als ich dann schon ein Paar Moves drauf hatte, stieß ich durch Zufall wieder auf die Skaterbande, die mich so inspirierte. Sie hatten schon ein paar kleine selbstgebaute Rampen und so in einer Tiefgarage.
Hieß das zwangsläufig oft Krieg mit Anwohnern und Ordnungskräften?
Ja, wie ich oben schon erwähnte, gab’s Ärger mit den Nachbarn, ganz besonders mit einem, der mir dann Ausschnitte aus der ADAC Motorwelt zeigte, wo behauptet wurde, Skateboarding sei nicht erlaubt auf öffentlichen Straßen und Gehwegen.
Mein Vati stand aber hinter mir und legte sich mit ihm an, danach war Ruhe.
Was war die schlimmste Verletzung, die du dir je zugezogen hast?
Da gab’s schon ein Paar...z.B. Kahnbeinbruch im Handgelenk ist ziemlich fies gewesen, weil sich jetzt schon Arthrose bildet. Dann Innenband-und Kreuzbandriss waren auch echt ungünstig. Lange Heilungsphasen und dann Physiotherapie und wieder rein kommen ist langwierig.
Hast du das Gefühl, dass du als 30-Jähriger mittlerweile schon zum älteren Eisen der Szene gehörst?
Ich blühe gerade erst richtig auf! Man ist ja immer so alt, wie man sich fühlt und das kann man rauszögern durch eine bestimmte Lebenshaltung.
Aber ich bin schon einer der „älteren“ Skater in der Szene, wobei man sagen muss, dass die meisten Halfpipe Profis über 30 sind. Es gibt aber auch Ausnahmen.
Was glaubst du, wie stehen deine Chancen auf den Sieg?
Momentan stehen die Chancen auf Sieg bestimmt nicht besonders hoch, da ich mich noch fit mache von einer Verletzung, die mich jetzt 6 Wochen Pause gekostet hat.
Ich werde trotzdem mein Bestes geben und versuchen, möglichst gut zu fahren.
Es ist ja vor allem auch immer wichtig, dass man selbst mit seiner Leistung zufrieden ist und nicht so sehr, was dabei rauskommt.
Wer wird dein größter Gegner bei der Street Session?
Niemand, denn wir sind keine „Gegner“ in dem Sinne. Wir sind Kollegen und versuchen, uns gegenseitig zu pushen und schön zu skaten.
Jeder von uns weiß, dass es ganz schnell gehen kann und man mit einem Sturz nicht mehr dabei ist, oder sogar für längere Zeit außer Gefecht.
Welche Band würdest du selbst einladen, wenn du könntest?
Queens of the Stone Age, Krisiun, oder Ozzie.
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